Heute – Morgen – Übermorgen
Digitale Transformation, Industrie 4.0, Arbeitswelt 4.0. Die Digitalisierung umgibt uns, gefühlt; als Konsumenten, Beschäftigte, Unternehmen, branchenunabhängig. Lösungen werden digital angeboten. Der Anspruch Service jederzeit (24/7) und überall (always-on). Was zum Beispiel in der Telekommunikationsbranche bereits – vergleichsweise – weit entwickelt scheint, ist in anderen Branchen in den Anfängen. „Nirgends scheint die Digitalisierung so langsam voranzuschreiten wie im Gesundheitssektor[1].“ Wieso dieser Eindruck? Ist das so? Wenn das so ist, warum ist das so? Auf der einen Seite sind die Player wie Krankenkassen, Ärzte- und Zahnärzteverbände, Landes- Bundesverbände und weitere Leistungspartnerinnen und -partner daran interessiert, den Kundinnen und Kunden respektive den Patientinnen und Patienten größtmöglichen digitalen Kunden- bzw. Patientenservice zu bieten, auf der anderen Seite geht es um Interessen an den Daten, möglicherweise um den Umgang mit mehr Transparenz.
Gleichzeitig drängen digitale Angebote in Form von Gesundheitsapplikationen beziehungsweise Gesundheits-Apps in den Markt, die Heilung von Leiden versprechen oder die das Sammeln und das Management von Daten übernehmen, die letztlich dazu beitragen, die eigene Gesundheits-Journey selbstbestimmt zu beeinflussen. Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit, wenn die seit mittlerweile zehn Jahren geplante, bis heute nicht realisierte Telematikinfrastruktur mit berücksichtigt wird.
Schon beginnt die Diskussion zwischen den unterschiedlichen Interessensvertreterinnen und -vertretern. Wer unterstützt, hinterfragt, behindert den Fortschritt im deutschen Gesundheitssystem. Welche Rolle sollen die digitalen Services heute und in der Zukunft übernehmen? Die wichtigste Frage stellt sich spätestens, wenn sich der Blick auf den Markt, in diesem Fall auf die User richtet.
Vor kurzem habe ich einen Artikel in Die Zeit gelesen, in dem es um den Graben zwischen Digialmuffeln und Netzwelt-Geborenen ging. Wenn der Infografik Glauben geschenkt werden kann, ist es auch bei den sogenannten Netzwelt-Geborenen so, dass sie grundsätzlich eher einen Arzt aufsuchen würden, als die eigenen Beschwerden im Web über eine App diagnostizieren zu lassen.
Abbildung 1: Internet statt Arzt, Die Zeit, 28.10.2016, S. 38
Bereits heute gibt es Apps wie z.B. Tinnitracks oder Dermatologie-Apps, die in Akut-Situationen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die Nutzerzahlen konnte ich bislang nicht recherchieren. Allerdings ist es spannend, dazu ein wenig mehr zu erfahren, bevor der Hype mit Beratung und Behandlung im Web weiter diskutiert wird.
Eine weitere aus meiner Sicht spannende Aussage ergibt sich aus der nächsten Infografik. Danach ist die Zustimmung, nachfolgende Generationen frühest möglich an das Web heranzuführen nicht so, wie es grundsätzlich erwartungsgemäß eingeschätzt worden wäre.
Diejenigen, die nachfolgenden Generationen diese Empfehlung aussprechen würden, sind diejenigen, die heute 66 Jahre und älter sind. Hier wird die möglicherweise als Errungenschaft erkannte technologische Komponente vollkommen anders bewertet, wie dies die Jüngeren tun, die eher eine ablehnende Haltung dazu einnehmen.
Abbildung 2: Empfehlung Webnutzung für künftige Generationen
Ich glaube, dass die Services, die Unternehmen der Gesundheitsbranche anbieten können und (hoffentlich) werden, eher der Kategorie Marketing as a Service oder Content as a Service zuzuordnen sind. An dieser Stelle sind, wie ich das beobachte, die privaten Krankenversicherungen ihren gesetzlichen Wettbewerbern schon voraus, wenn es darum geht, Aufträge wie Schriftwechsel und auch Erstattungen von Leistungen online, teilweise über Apps, abzuwickeln.
Warum das Thema Apps und Onlineangebote noch nicht so vielfältig vorhanden sind, liegt vielleicht auch – zumindest im Krankenkassenbereich – im Datenschutz in Deutschland begründet. Dieser ist sehr komplex und eine gesonderte Betrachtung wert.
Ich persönlich glaube, dass es in der Gesundheitsbranche noch Zeit benötigt, eine ganzheitliche Lösung, wie z.B. die Telematik-Infrastruktur zu erarbeiten und anzubieten. Gleichzeit werden die einzelnen Player versuchen, einzelne Lösungen für sich generieren und ihren Kundinnen und Kunden anzubieten. Eben: Marketing as a Service (MaaS) oder Content as a Service (CaaS).
[1] Koch, Christoph, Die App-Lage, brandeins, Heft 10, 2016
#Marketing #Digitalisierung #DigitaleTransformation #Gesundheit #Health #App #Apps